Orthomolekulare Medizin als Ergänzung

Sinnvoll, notwendig oder überflüssig?

Eigentlich möchte jeder Mensch in voller Gesundheit und Leistungsfähigkeit das Leben genießen - und er sollte es auch können. Die Bedeutung der Gesundheit fällt uns allerdings erst auf, wenn sie uns durch verschiedene Umstände abhanden gekommen ist. Zu erwähnen ist noch, dass die Natur kein Interesse daran hat, uns krank zu wissen. Sie möchte uns gesund erhalten und hat dazu zahlreiche Maßnahmen vorgesehen. Solche „Selbstheilungskräfte" sind in allen Menschen zu finden, wir sollten diese nach bestem Wissen unterstützen. So wird eine Medizin, die solche natürlichen Vorgänge unterstützt, langfristig mehr zur Gesundheit beitragen als eine Medizin, die die Natur behindert.

Das Gesunderhalten ist das vorrangige Ziel in der Orthomolekularen Medizin, wobei natürlich auch eine Behandlung unterschiedlicher Beschwerden und Krankheiten möglich ist. Orthomolekulare Medizin unterstützt im Wesentlichen unsere Ernährung. Nachdem durch die Vielzahl der einzelnen Maßnahmen bei der Herstellung von Lebensmitteln deren biologischer Wert oft herabgesetzt wird, fehlen in der Ernährung Mineralstoffe, Vitamine, Spurenellemente aber auch z.B. hochwertige ungesättigte Fettsäuren.

Die Rolle des Verdauungsprozesses

Ernährung ist aber nicht nur die Zufuhr von Lebensmitteln, sie schließt auch den Verdauungsprozess mit ein, das heißt nur jene Stoffe die tatsächlich vollständig verdaut sind, werden aufgenommen und verwertet. Fehlverdauung wie Gärung oder Fäulnis behindert dies, führt daher zu Beschwerden, die durch – was vor allem für unsere Betrachtung wichtig ist – den Verbrauch wichtiger Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine gekennzeichnet sind.

Vitalstoffe für die Krankheitstherapie

So ist es heute immer wichtiger, diese Vitalstoffe sowohl vorsorglich zur Gesunderhaltung als auch therapeutisch bei der Behandlung von Erkrankungen einzusetzen. Um dies zu verdeutlichen, seien folgende Beispiele angeführt: Die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln sind relativ gut untersucht. In zahlreichen Tabellen werden alle relevanten Vitamine und Mineralstoffe bis in die kleinsten Mengen dargestellt. Tatsache ist jedoch auch, dass das, was der Einzelne kauft, nicht einmal annähernd die Inhaltsstoffe aufweist, die es laut „Nährwerttabelle“ haben sollte. Durch Anbau, Düngung etc. sind die Inhaltsstoffe bis zu 80 % geringer als in den offiziellen Listen. Ein weiterer Faktor ist die Zubereitung, vieles wird als Fertigprodukt gekauft oder in der Mikrowelle zubereitet. Wenn Brokkoli beispielsweise in der Mikrowelle zubereitet wird, verliert er 85 % seiner Antioxidantien, für die er eigentlich berühmt ist (im Prinzip trifft dies für alle Gemüsesorten mit den kräftigen Farben zu). Wird Brokkoli hingegen im Wasserdampf gegart, bleiben 94 % dieser Antioxidantien erhalten und helfen uns nicht nur den Stress des Alltages zu meistern, sondern haben auch eine krebsvorbeugende Wirkung. Die entsprechende Arbeit hierzu wurde in Journal of the Science of Food and Agriculture 2003 veröffentlicht.

Vitamin C-Verlust durch Zubereitung

Lebensmittel

Kochen

Dampfgaren

Druckgaren

Kartoffel

16 %

7 %

27 %

Sellerie

51 %

25 %

66 %

Spinat

66 %

18 %

35 %

Karfiol

35 %

7 %

23 %

 

Ein weiteres Beispiel betrifft das wichtige Vitamin C. Dies ist von besonderer Bedeutung, da Vitamin C vom Körper nicht selbst hergestellt werden kann. Wir sind also auf die Zufuhr von Vitamin C über die Lebensmittel angewiesen. Es zeigt sich nun, dass der Vitamin CVerlust sehr von der Zubereitung abhängt. Vor allem die als „schnelle Methode“ gepriesene Zubereitung im Druckkochtopf bringt enorme Verluste von bis zu 2/3 an Vitamin C mit sich. Es hängt aber auch von den verschiedenen Lebensmitteln ab. Spinat, der sehr zart ist und nur „dünne Blätter“ hat, wird durch langes Kochen verständlicherweise völlig ausgelaugt. Moderne werterhaltende Zubereitung von Lebensmitteln erfolgt heute als Garen im Dampf. Hierfür gibt es bereits zahlreiche Geräte in allen Preisklassen.

Gut gekaut ist halb verdaut

Nun kommt noch hinzu, dass unsere Esskultur entscheidenden Einfluss auf den Mineral- und Vitaminhaushalt hat. „Gut gekaut ist halb verdaut“ heißt ein Sprichwort. Nur wenn die Lebensmittel völlig verdaut werden, können ihre Inhaltsstoffe – Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine etc. – aufgenommen werden. Jede Fehlverdauung aufgrund mangelnder Esskultur führt zu einem Verbrauch von Vitalstoffen. Hierzu folgendes Beispiel: Wenn Sie abends Rohkost „genießen“, ist die Verdauung meist nicht mehr in der Lage, diese auch völlig umzusetzen. Nun wird von den Bakterien im Darm Rohkost (zucker- und stärkehaltig) vergoren. Das bedeutet aber eine Eigenproduktion von Alkohol, Gas und Säure. Vor allem letztere müssen durch Mineralstoffe „entschärft“ werden. Der Körper hat keine andere Wahl, als diese Mineralstoffe aus den eigenen Reserven hervorzuholen, um eine Übersäuerung zumindest ansatzweise zu bekämpfen.

Fazit: Nahrungsergänzung mehr als sinnvoll

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass die Orthomolekulare Medizin im Sinne eine Ergänzung unserer Nahrung sinnvoll ist, nachdem es im Alltag kaum gelingt, dass alle erwähnten Einflüsse optimal ablaufen. Hinzu kommt noch, dass wir durch unsere geänderte Lebenssituation wesentlich mehr Bedarf an diesen Vitalstoffen haben, als noch Generationen vor uns.

Dies wird Gegenstand unserer Betrachtungen in der nächsten Ausgabe sein. Orthomolekulare Medizin entbindet uns auch nicht davon, uns um eine wertvolle Nahrung, gesunde Zubereitung und Pflege der Esskultur zu bemühen.

Orthomolekulare Medizin ist als Vorsorgemaßnahme und Therapie gleichermaßen effektiv und auch nebenwirkungsarm einsetzbar, da der Körper gewohnt ist, mit solchen Stoffen umzugehen.

Dr. Harald Stossier VIVA – Das Zentrum für MODERNE MAYR MEDIZIN Maria Wörth (Österreich), www.viva-mayr.com


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